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Meik Köhring, Gordon Webel und Andreas Sander vom TuS Brake sprechen im Interview mit Arne Tegtmeyer (v. l.) über das DFB-Zertifizierungsprojekt.
Der TuS Brake in Lippe ist einer von nur 21 Vereinen bundesweit, die im vergangenen Jahr am Probelauf der neuen DFB-Vereinszertifizierung teilnehmen durften (mehr lesen im WestfalenSport). Als einziger Vertreter aus dem Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) vertrat der Verein den FLVW-Kreis Lemgo auf Bundesebene. Ziel dieser Zertifizierung ist es, Qualitätskriterien für Fußballvereine sichtbar zu machen und strukturelle Vereinsarbeit nachhaltig zu stärken. Im Gespräch mit Arne Tegtmeyer (FLVW-Assistent für Vereinsentwicklung) berichten Abteilungsleiter Gordon Webel, sein Stellvertreter Andreas Sander und Zertifizierungsbeauftragter Meik Köhring über ihre Erfahrungen und die Bedeutung dieses Projekts für den „Braker Weg“.
Ohne vorher genau zu wissen, was auf euch zukommt, musstet ihr relativ kurzfristig entscheiden, ob ihr am Probelauf teilnehmt. Wie schwer fiel euch diese Entscheidung – und wie ist sie zustande gekommen?Gordon Webel: Die Entscheidung war alles andere als einfach. Wir wussten, dass der Probelauf kein „Nebenbei-Projekt“ wird, sondern Zeit, Energie und personelle Ressourcen bindet. Gleichzeitig haben wir im Vorstand schnell gespürt: Wenn wir den Braker Weg ernst meinen, dann dürfen wir vor so einer Chance nicht zurückschrecken. Wir haben bewusst gesagt: Wir gehen diesen Schritt – auch ohne alle Details zu kennen.
Meik Köhring: Für mich war von Anfang an klar: Wenn wir eingeladen werden, dann nicht, um zu beobachten, sondern um aktiv mitzugestalten. Natürlich gab es Respekt vor dem Umfang, aber auch Vertrauen in unsere Vereinsstrukturen. Diese Entscheidung war ein klares Bekenntnis zur Weiterentwicklung unseres Vereins.
Welche Bedeutung hatte es für euren Verein, als einziger Vertreter Westfalens Teil dieses bundesweiten Probelaufs zu sein?
Köhring: Das war – und ist – etwas Besonderes. Wir haben den TuS Brake nicht nur für uns vertreten, sondern auch stellvertretend für viele Vereine im FLVW. Dieses Vertrauen zu spüren, hat zusätzlich motiviert. Gleichzeitig war uns bewusst, dass wir Verantwortung tragen: Unsere Rückmeldungen, Erfahrungen und Ergebnisse fließen direkt in die Weiterentwicklung des Zertifizierungssystems ein.
Andreas Sander: Für den Verein war das auch ein starkes Signal nach innen. Die Botschaft lautete: Wir gehören zu den Vereinen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und neue Wege mitzugehen.
Welche Erwartungen hattet ihr zu Beginn des Probelaufs im März 2025?"Wir haben den TuS Brake nicht nur für uns vertreten, sondern auch stellvertretend für viele Vereine im FLVW. Dieses Vertrauen zu spüren, hat zusätzlich motiviert".
Zertifizierungsbeauftragter Meik Köhring
Webel: Wir haben erwartet, dass wir ehrlich auf den Prüfstand gestellt werden. Nicht mit dem Ziel, Fehler zu suchen, sondern um zu erkennen, wo wir stehen und wo wir uns verbessern können.
Köhring: Ich habe mir erhofft, dass die Zertifizierung nicht nur ein formales Abhaken von Kriterien wird, sondern ein echter Entwicklungsprozess. Genau das ist eingetreten.
Welche Anforderungen musstet ihr im Rahmen der 29 Basiskriterien und sechs Zusatzkriterien erfüllen – und wo lagen die größten Herausforderungen?
Köhring: Die größte Herausforderung war nicht das Erfüllen einzelner Kriterien, sondern deren saubere, nachvollziehbare und transparente Dokumentation. Es ging darum, unsere gesamte Vereinsarbeit strukturiert zu beschreiben – von Organisation und Strategie über den Spielbetrieb bis hin zur Vereinskultur. Das bedeutete viele Gespräche, Abstimmungen und Detailarbeit.
Webel: Man unterschätzt leicht, wie viel Zeit es kostet, Dinge aufzuschreiben, die im Alltag „einfach funktionieren“. Gerade diese Selbstverständlichkeit sichtbar zu machen, war anspruchsvoll.

Zufallstreffen auf dem DFB-Campus: Meik Köhring und Gordon Webel trafen BVB-Boss Hans-Joachim „Aki“ Watzke [Foto: privat].
Was habt ihr organisatorisch und inhaltlich für euren Verein mitgenommen?
Köhring: Wir haben ein über 100-seitiges Qualitäts- und Prozesshandbuch geschaffen. Das ist kein Selbstzweck, sondern eine Arbeitsgrundlage für die Zukunft. Es schafft Klarheit, Transparenz und Verlässlichkeit – für Trainer, Eltern, Ehrenamtliche und den Vorstand.
Sander: Für mich ist besonders wertvoll, dass Abläufe jetzt klar definiert sind. Das entlastet langfristig und macht den Verein weniger abhängig von einzelnen Personen.
Wie hat sich die interne Zusammenarbeit im Verein während des Prozesses entwickelt?
Webel: Sehr positiv. Der Prozess hat uns gezwungen, intensiver miteinander zu sprechen. Verantwortung wurde klarer verteilt, Entscheidungen transparenter getroffen.
Köhring: Natürlich gab es Phasen hoher Belastung – für den gesamten Verein. Aber genau dadurch ist ein starkes Gemeinschaftsgefühl entstanden: Wir ziehen gemeinsam an einem Strang.
Gab es Kriterien, bei denen ihr gemerkt habt, dass der Verein bereits sehr gut aufgestellt ist?"Es wäre ein starkes Zeichen, als erster Verein in Westfalen zertifiziert zu werden. Aber noch wichtiger ist, dass wir den Braker Weg konsequent weitergehen".
Abteilungsleiter Gordon Webel
Köhring: Definitiv in der Vereinskultur. Leitbild, Engagement, Ehrenamt, Kinderschutz – das sind keine neuen Themen bei uns. Die Zertifizierung hat das sichtbar gemacht.
Mit welchem Blick geht ihr nun auf die Abschlussveranstaltung im Februar?
Köhring: Mit Stolz und Zuversicht. Unabhängig vom formalen Ergebnis wissen wir: Der Verein hat enorm gewonnen.
Webel: Es wäre ein starkes Zeichen, als erster Verein in Westfalen zertifiziert zu werden. Aber noch wichtiger ist, dass wir den Braker Weg konsequent weitergehen.
Würdet ihr anderen Vereinen im FLVW die Zertifizierung empfehlen?
Sander: Ja – mit der klaren Empfehlung, den Prozess ernst zu nehmen.
Köhring: Die Zertifizierung ist kein Zusatzprojekt, sondern Vereinsentwicklung pur. Wer bereit ist, Zeit zu investieren, wird langfristig profitieren.
Vielen Dank für das Gespräch!